Voraussetzung für KfW-Neubauförderung
Der Klimafreundliche Neubau verlangt eine Treibhausgasbilanz über den Lebenszyklus: höchstens 24 kg CO₂-Äquivalent je Quadratmeter und Jahr. Ohne LCA kein Nachweis.

Leistungen · Unabhängig von Förderung
Die Energie im Betrieb ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte steckt in Beton, Ziegel, Dämmung und Fenstern — von der Herstellung bis zum Rückbau. Die Lebenszyklusanalyse macht sie messbar, und für Neubauten wird sie zur Pflicht.
Kurz gesagt: Die Lebenszyklusanalyse (LCA) — auch Ökobilanz — berechnet die Umweltwirkungen eines Gebäudes über seinen gesamten Lebensweg: Herstellung der Baustoffe, Austausch im Betrieb, Energieverbrauch, Rückbau und Entsorgung. Das wichtigste Ergebnis sind die Treibhausgasemissionen in Kilogramm CO₂-Äquivalent je Quadratmeter und Jahr.
Ein Haus verbraucht nicht erst Energie, wenn es steht. Zement wird bei 1.450 °C gebrannt, Stahl geschmolzen, Dämmstoff aus Erdöl hergestellt. Diese „graue Energie“ und die damit verbundenen Emissionen stecken im Gebäude, bevor der erste Bewohner heizt — und bei einem gut gedämmten Neubau machen sie über die Lebensdauer inzwischen einen großen Teil der Gesamtbilanz aus.
Die Lebenszyklusanalyse rechnet das nach einem festen Verfahren durch. Grundlage sind die europäischen Normen DIN EN 15978 und DIN EN 15643, die Datenbank ÖKOBAUDAT des Bundesbauministeriums mit Umweltkennwerten für Tausende Baustoffe und Prozesse, sowie ein Betrachtungszeitraum von 50 Jahren. Betrachtet werden die Herstellung der Bauteile, ihr Austausch während der Nutzung, die Betriebsenergie und der Rückbau mit Entsorgung.
Das Ergebnis sind zwei Kennzahlen je Quadratmeter Netto-Raumfläche und Jahr: die Treibhausgasemissionen in CO₂-Äquivalenten und der nicht erneuerbare Primärenergieaufwand. Damit lassen sich Varianten vergleichen — Holzbau gegen Massivbau, Sanierung gegen Abriss und Neubau — und Grenzwerte einhalten, die Förderung und bald das Gesetz vorgeben.

Der Klimafreundliche Neubau verlangt eine Treibhausgasbilanz über den Lebenszyklus: höchstens 24 kg CO₂-Äquivalent je Quadratmeter und Jahr. Ohne LCA kein Nachweis.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz führt die Ökobilanz für Neubauten über 1.000 m² ab 01.01.2028 und für alle Neubauten ab 01.01.2030 verpflichtend ein — in Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie.
Holzfaser oder Mineralwolle? Holzrahmen oder Ziegel? Die Bilanz zeigt, was die Wahl fürs Klima bedeutet — und oft, dass die klimafreundliche Variante nicht die teurere ist.
Der Bestand hat seine Herstellungsemissionen längst bezahlt. Die LCA zeigt, wie viel ein Neubau erst wieder aufholen muss — ein Argument, das Bauherren und Behörden verstehen.
Die Norm zerlegt den Lebensweg eines Gebäudes in Module. Nicht alle gehen in die Bewertung ein — die Bilanzierungsregeln des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude, die auch die KfW verwendet, legen fest, welche:
| Modul | Inhalt | In der Bewertung |
|---|---|---|
| A1–A3 | Herstellung: Rohstoffgewinnung, Transport zum Werk, Produktion | Ja |
| A4–A5 | Transport zur Baustelle, Bauprozess | Nein (derzeit nicht bilanziert) |
| B4 | Austausch von Bauteilen am Ende ihrer Lebensdauer | Ja |
| B6 | Betriebsenergie für Heizung, Warmwasser, Lüftung, Beleuchtung | Ja (ohne Aufzüge) |
| C3–C4 | Abfallbehandlung und Entsorgung beim Rückbau | Ja |
| D | Recyclingpotenzial und Gutschriften jenseits des Lebenszyklus | Wird berechnet und ausgewiesen, fließt nicht in die Bewertung ein |
Bewertet wird das Treibhauspotenzial (GWP) in kg CO₂-Äquivalent und der nicht erneuerbare Primärenergiebedarf, jeweils bezogen auf die Netto-Raumfläche und ein Jahr des 50-jährigen Betrachtungszeitraums. Die Kennwerte der Baustoffe kommen aus der ÖKOBAUDAT; produktspezifische Umweltdeklarationen (EPD) der Hersteller können ergänzend verwendet werden.
| Anforderung | Treibhausgase im Lebenszyklus | Bedeutung |
|---|---|---|
| KfW Klimafreundlicher Neubau (297/298) | max. 24 kg CO₂-Äq./(m²·a) | Zugang zur Förderung, bis 100.000 € Kredit je Wohneinheit |
| QNG-PLUS | max. 24 kg CO₂-Äq./(m²·a) | Mit Siegel bis 150.000 € je Wohneinheit; bei Sanierung NH-Klasse |
| QNG-PREMIUM | max. 20 kg CO₂-Äq./(m²·a) | Anspruchsvollste Stufe des staatlichen Siegels |
| Gesetzliche Ökobilanzpflicht (GModG, EU-Gebäuderichtlinie)Ab 01.01.2028 für Neubauten über 1.000 m² Nutzfläche, ab 01.01.2030 für alle Neubauten. | Berechnung und Ausweis, zunächst ohne Grenzwert | Das Treibhauspotenzial wird Teil des Energieausweises |

Die Ökobilanz wirkt am stärksten, wenn sie früh gerechnet wird. Im Vorentwurf entscheiden Tragwerk, Hüllkonstruktion und Heizsystem über den Großteil der Emissionen; danach lässt sich nur noch an Details drehen. Wir steigen deshalb idealerweise mit einer Variantenbilanz ein — zwei, drei Konstruktionsvarianten nebeneinander — und begleiten dann bis zum Nachweis.
Für die KfW-Förderung wird die Bilanz nach den QNG-Regeln geführt und vom Energieeffizienz-Experten in der Bestätigung zum Antrag bestätigt. Die Kosten für die Lebenszyklusanalyse sind im Klimafreundlichen Neubau förderfähig. Wer zusätzlich das QNG-Siegel anstrebt, nutzt dieselbe Bilanz — der Aufwand entsteht nur einmal.
Stand der Angaben: 03.09.2026. Quellen: QNG-Bilanzierungsregeln Wohngebäude, Anhang 3.1.1, Version 1.4 · ÖKOBAUDAT (BMWSB) · KfW — Technische Mindestanforderungen Klimafreundlicher Neubau · Richtlinie (EU) 2024/1275 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden · BBSR — Neuregelungen mit dem GModG. Fördersätze und Fristen ändern sich — verbindlich ist immer die jeweils gültige Richtlinie.
Der Energieausweis betrachtet den Betrieb: Wie viel Energie braucht das Gebäude zum Heizen, Kühlen, Lüften? Die Ökobilanz betrachtet den ganzen Lebensweg — einschließlich der Emissionen, die bei der Herstellung der Baustoffe entstanden sind, bei ihrem Austausch entstehen und beim Rückbau anfallen. Beim gut gedämmten Neubau ist dieser Anteil groß; die Betriebsenergie ist nur noch ein Teil der Bilanz.
Ab 2028 wachsen beide zusammen: Das Treibhauspotenzial über den Lebenszyklus wird dann Teil des Energieausweises für große Neubauten, ab 2030 für alle.
Vor allem bei der Frage „Sanieren oder abreißen und neu bauen?“. Der Bestand hat seine Herstellungsemissionen bereits verursacht — sie sind, wie Ökonomen sagen würden, versunken. Ein Neubau fängt bei null an und muss diese Emissionen über Jahrzehnte durch geringeren Betriebsverbrauch aufholen. Die Bilanz zeigt, ob und wann das gelingt. Oft ist die Antwort: gar nicht.
Auch bei der Sanierung selbst hilft sie: Welche Dämmung, welche Fenster, welche Haustechnik bringt über 50 Jahre die beste Bilanz aus grauer Energie und Einsparung?
Für eine belastbare Bilanz die Massenermittlung des Gebäudes: Bauteilaufbauten mit Schichtdicken und Materialien, Flächen und Mengen, dazu die Anlagentechnik und das Energiekonzept. In frühen Phasen arbeiten wir mit Kennwerten je Bauteil; je weiter die Planung, desto genauer wird die Bilanz.
Wenn der Architekt mit einem BIM-Modell arbeitet, können wir Mengen daraus übernehmen. Das spart Zeit und Übertragungsfehler.
In der Regel deutlich besser als Massivbau, weil Holz beim Wachsen Kohlenstoff bindet und weil seine Verarbeitung wenig Energie braucht. Aber Holzbau ist kein Automatismus: Eine Holzkonstruktion mit erdölbasierter Dämmung, Aluminiumfenstern und einer Betonbodenplatte kann schlechter abschneiden als ein durchdachter Ziegelbau. Deshalb rechnen wir, statt zu glauben — und die Ergebnisse überraschen regelmäßig, in beide Richtungen.
Im KfW-Programm Klimafreundlicher Neubau sind Dienstleistungen für Lebenszyklusanalyse und Nachhaltigkeitszertifizierung ausdrücklich förderfähig — sie gehören zu den Kosten, die mitfinanziert werden. Bei der Sanierung zum Effizienzhaus läuft die Bilanz über die geförderte Nachhaltigkeitszertifizierung, wenn Sie die NH-Klasse anstreben. Als Einzelleistung ohne Förderprogramm tragen Sie die Kosten selbst; wir nennen sie Ihnen vorab.
Weitere Antworten finden Sie in unseren häufigen Fragen.
Dann ist jetzt der Moment für die Bilanz. Eine Variantenrechnung im Vorentwurf spart mehr CO₂ als jede Optimierung danach.
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